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Geschichte

Löllbach - Bild eines Dorfes im "Westrich"

Löllbach, ein kleines Dorf mit fast 400 Einwohnern, liegt im lieblichen Tal des Jeckenbachs, eines linken Zuflusses des Glan, der seinerseits wieder zum Flußgebiet der Nahe gehört. Diesem Dörfchen wollen wir einen Besuch abstatten, denn dabei gewinnen wir einen Gesamteindruck der Gegend zwischen Nahe, Glan und Saar.

In dieser Landschaft, die merkwürdigerweise nicht einmal über einen eigenen geprägten Namen verfügt, ducken sich Hunderte solch kleiner Dörfer in die gewundenen Wiesentälchen, als suchten sie Schutz zwischen den mittelhohen Bergen. Sollte das ein Abbild vom harten Lebenskampf der Bergbauern mit der kargen Scholle sein? Sollte es von der anhaltend harten Fron während des ganzen Mittelalters für ihre kleinen Feudalherren zeugen? Nicht grundlos haben ganze Menschenströme dieser Gegend in allen Jahrhunderten lieber die Last der Auswanderung auf sich genommen, als weiter unter der harten Rute der Leibeigenschaft zu stöhnen, unter den unzählbaren Fehden und Kriegen ihrer Herren mit Mißhandlungen, Entbehrungen und gräßlichen Seuchen.

Wer von einem dieser Westrichorte etwas sagen will, merkt sehr bald, daß das Charakteristische nicht dem einzelnen Dorf, sondern der ganzen Landschaft eigen ist. So trifft auch die neuerliche "Bauernnot" die Dörfer in ihrer Gesamtheit und dennoch das einzelne Dorf und den Einzelnen darin. Sie stellt - im rechten Licht besehen - kein "Novum" dar, sondern die alten Existenzsorgen und Lebensängste. Neu ist nur, daß nun Jahrhunderte alte Höfe und ganze Familien mit Händen greifen können, daß die Heimat sie nicht mehr weiter tragen kann, wenn nichts Besonderes geschieht.

Besuchen wir aber heute einmal Löllbach, unser "Bild eines Dorfes im Westrich". In den größeren Orten der Pfalz und der unteren Nahe leben nicht wenige in der Vorstellung, daß überm Glan und hinterm Disibodenberg die Welt vorübergehend einmal zu bestehen aufhöre. Daß aber dort, kaum eine Autostunde von ihnen entfernt, ein reizvolles Stückchen Erde mit vielfältigen Naturschönheiten zu entdecken wäre, das ahnen sie nicht. Wer von Meisenheim aus, dem Städtchen am Glan mit dem eindrucksvollen mittelalterlichen Stadtbild, das Glantal in Richtung Kirn verläßt, dem begegnen im Jeckenbachtal die Dörfer aufgereiht wie Perlen an der Schnur. An jeder Wegebiegung im gewundenen Tal wechselt das Naturbild; immer neue Erquickung für das Auge: Wiesenflächen mit versteckten Wildecken, Haine und Wäldchen am sanften Bergeshang und droben ausgedehnte Feldmarken. Soviel Arten von Grün hat kein Farbkasten! Und - soviel Ruhe und Beruhigung für den gehetzten Menschen gibt es so nahe!?

Im Dorfe Jeckenbach verlassen wir die Kirner Straße, um einem Seitentälchen zu folgen. Hier im "Löllbacher Tal" bewegt sich der Besucher noch innerhalb des Kreises Kreuznach; doch nur einen Steinwurf weit von der Grenze zum Kreis Kusel entfernt. Und drüben hinter jenem Hügel liegt überm Glan schon Pfälzer Land. Wie anmutig bietet das Dörfchen Löllbach dem Besucher sein Bild dar! Umgeben von saftigen Wiesen, im Kranz seiner Obstgärten und dahinter die bewaldeten Höhen der sanften Berge - ein schöneres Bild vom "trauten Dörflein im Talesgrund" könnte kein Maler finden. Es liegt am Zusammenfluß von drei Westrichbächen, hat etwa 70 Gehöfte, meist bäuerlicher Art. Die umgebende Feldmark ist 500 ha groß, davon etwa 100 ha Wald aus Gemeinde- und Eigenbesitz der Dorfbauern. Die Gemarkung ist reich an Niederwild: Rehen, Hasen, Fasanen, gelegentlich Wildschweinen; Singvögel nisten in reichem Maße, z.Zt. schlägt die Nachtigall in allen Büschen und Hecken.

Schauen wir uns nun einmal im Dorfe um! Sein Kleinod ist das mittelalterliche Kirchlein auf dem zentralgelegenen Hügel. Jede Bauepoche, sei es im Turm, im Chor oder im Kirchenschiff zeigt hier klein, aber stilecht, kunstvolle Formen des Dorfkirchenbaues. Hier begegnen uns förmlich die Jahrhunderte. Der Turm in seinem Unterbau ist zeitlich nicht mehr zu bestimmen. Vielleicht steht er auf dem Boden heidnischen Kults. Bestimmt war er "Wehrturm", wie uns seine Schießscharten verraten. Eingemauerte Säulenreste romanischen Stils lassen einen früheren Bau an gleicher Stelle vermuten. Um 1500 datiert man das Obergeschoß des Turmes mit steilem Satteldach und das gotische Chörlein mit feinem Rippengewölbe. Doch sind die schönen Buntfenster mit Darstellungen biblischer Geschichten ganz neuen Datums. Das Schiff endlich wurde ganz bestimmt einige Zeit nach der großen Not des 30jährigen Krieges erbaut. - Rund um das Kirchlein droben lagen früher die Gräber derer, "die sich freuten in dem Tal". Doch könnten Kirche und Gräber mehr von der Not der Menschen als von ihren Freuden erzählen.

Drüben das Haus mit dem hohen Schieferdach beherbergt noch die Dorfschule. Die Schüler der Oberklassen fahren alltags mit dem Bus zur Mittelpunktschule nach Meisenheim; aber "die Kleinen" der unteren Jahrgänge "studieren" hier noch das ABC.

Und gerade gegenüber, am großen Dorfplatz in der Mitte, lädt "das Gasthaus zur alten Schmiede" zu Speise und Trank ein. Hier drischt man am Sonntagnachmittag seinen Skat; und wer Lust dazu hat; der kann gleich Anschluß in einer Runde finden. - Unmittelbar vor der Wirtschaft aber schießen im klaren Gebirgsbach muntere Forellen. An stillen Sonntagen im Sommer, nachmittags, wenn die Hitze brütet, lehnt mancher Dörfler ausruhend auf der Brückenlehne und schaut ihnen geruhsam zu. Der Landmensch, vertraut im Umgang mit den Tieren, findet im beschaulichen Betrachten ihrer Spiele noch seine Erquickung. So kann man auch gegen Abend - falls man ein Auge dafür hat - mitten aus dem Dorf heraus Wild beobachten, wie es drüben am Berghang äsend aus dem Walde tritt. - Wenn aber im Dorfgemeinschaftshaus ein Fest gefeiert wird, dann ist alles dabei, wenn getanzt und getrunken wird - die Jungen beim Tanz, die Alten beim Zuschauen.

Was sollte man dem Gast aus der Stadt sonst noch zeigen? Wir raten ihm, zu bleiben - oder wenigstens am Alltag noch einmal wieder zu kommen. Denn dann zeigt das Dorf ein ganz anderes Bild: Am Alltag in aller Frühe schwärmen schon ca. 50 Pendler in kleinen Firmenbussen hinaus in die Welt, ins Pfälzerland, zur Nahe - bisweilen auch ins Rhein-Main-Gebiet, bis Rüsselsheim oder Frankfurt. Ein hartes Geld, auf weiten Wegen verdient! - Glücklicher, wer als Mitarbeiter der ortsansässigen Tiefbaufirma Beimbauer in der Nähe arbeiten kann! - Am Alltag nimmt sodann der Frühbus über 50 Männer und Frauen mit hinaus nach Meisenheim. In der Fabrik, im Büro, in den Krankenhäusern und hinterm Ladentisch tun sie ihr Tagewerk bis zum Abend. - Wenn dann der Schulbus noch die Buben und Mädels abbefördert hat, dann bleiben nur noch Menschen zurück, die dem Acker dienen. Früher tat das das ganze Dorf, jetzt bestellen nur noch ein Drittel davon die 500 ha Feldgemarkung. Die aber verlangen vom Frühjahr bis zum Spätherbst mehr als alle Kraft der "übriggebliebenen Bauern" und auch noch die restliche Kraft derer, die nach ihrem Achtstundentag bei Helligkeit das Dorf erreichen und Frauen und Alten bei der Feldarbeit beispringen.

So bietet sich also das Westrichdorf seinem Besucher dar. Feierliche Stille am Sonntag, eingebettet in die friedliche Natur der Berge, Wiesen und Wälder, der Bäche und Felder - dagegen ratternde Traktoren im Alltag und fleißige Menschen, gebückt mit der Harke in der Hitze des Ackers. Aber keiner wird dem Mann aus der Stadt seine Ferien mißgönnen, weil er weiß, daß auch dessen Alltag ein Werktag ist.

Die Gastfreundschaft des Dorfes aber für all seine Besucher kommt aus ehrlichem Herzen.

Dieser Text muss um 1970 entstanden sein.

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